Mathias Bertram

Publizist und Buchgestalter

Harald Hauswald verdankt seinen Ruf ungeschönten und eindringlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Um so mehr erstaunt, dass er – bedingt durch seine »illegale« Arbeit für westliche Medien – schon in den letzten Jahren der DDR mehrere tausend Farbaufnahmen machte. Wie die Fotografien nun erkennen lassen, erweist er sich dabei nicht nur einmal mehr als genauer, oft sarkastischer Chronist des Alltags, sondern auch als ein bislang kaum wahrgenommener Meister der ­Farb­­kom­­po­sition. Die stimmungsvollen Bilder vergegenwärtigen die »Welt von gestern« stärker und intensiver als die vertrauten Aufnahmen in Schwarz und Weiß, lassen sie aber gerade dadurch auch fremder und ferner denn je erscheinen.

FOTOBÜCHER

 

 

Harald Hauswald:

Ferner Osten. Die letzten Jahre der DDR

Fotografien 1986–1990.

Herausgegeben von Mathias Bertram.

Mit einem Vorwort von Christoph Dieckmann.

Leipzig: Lehmstedt, 2013. (Info)

Gundula Schulze Eldowy:

Der große und der kleine Schritt.

Fotografien 1982–1990.

Redaktion: Mathias Bertram.

Leipzig: Lehmstedt, 2012. (Info)

Das Thema dieses tabulosen Fotobuches ist die Entfremdung des Menschen in der modernen Zivilisation. Die gesellschaftliche Krise der DDR in den achtziger Jahren bildet dabei nur den sozialen Hintergrund.  Gundula Schulze Eldowy zeigt den Menschen als von Beginn an leidendes, bedrohtes Wesen, das durch die Zwänge und Regeln der Gesellschaft gehindert wird, zu sich zu finden, und das selbst Gewalt ausübt. Lichte Momente des Lebens setzen die nötigen Kontrapunkte, sind aber selten in dieser Hadeswanderung durch Kreißsaal, Krankenhaus und Pflegeheim, durch Fabrikhalle und Schlachthof, Tanzschule und Opernball. Dabei korrespondieren der äußere Zerfall der Städte mit der beobachteten Verhärtung des Menschen und die erhoffte innere Transformation des Einzelnen mit der politischen Selbstbefreiung der DDR-Gesellschaft.

 

Gundula Schulze Eldowy:

Berlin in einer Hunde­­nacht

Fotografien 1969–1990.

Redaktion: Mathias Bertram

Leipzig: Lehmstedt, 2012. (Info)

 

 

Vierzehn Jahre lang, von 1987 bis 1990, durchstreifte Gundula Schulze Eldowy das alte Ostberlin, fixierte mit ihrer Kamera die Narben, die der Krieg in der Stadt und ihren Bewohnern hinterlassen hatte, und hielt in ihren Bildern die letzten Spuren des im Untergang begriffenen alten Berliner Milieus fest. Ihre Berlin-Serie, aber auch die anderen Bild-Zyklen dieser Zeit lassen niemanden gleichgültig. Sie begeistern oder sie verstören. Denn die Künstlerin bewegte sich in einem Milieu, dessen Existenz offiziell verleugnet wurde und wandte den Blick nicht ab, wenn sie Armut, Elend, Verzweiflung und Einsamkeit begegnete. Ihre Tabubrüche sind aber nie Selbstzweck, sondern dienen der Annäherung an menschliche Tragödien. Ihre erregenden Bilder gingen in den letzten 20 Jahren um die ganze Welt, nun erschienen sie erstmals gesammelt in einem opulenten Bildband.

Die Schönhauser Allee führt vom Berliner Stadtzentrum direkt in einen der nach wie vor lebendigsten Bezirke der deutschen Hauptstadt, den Prenzlauer Berg. Auf der legendären Magistrale und ihren vielen Seitenstraßen entfaltet sich das großstädtische Leben des neuen Berlin. Anders als die Renommiermeilen Friedrichstraße und Ku’damm ist die »Schönhauser« ein Ort für den modernen Alltag in all seinen Facetten – laut und hektisch, immer ein wenig schmuddelig, ständig in Bewegung, ein buntes Gemisch von Jung und Alt, Wohlsituierten und Abgestürzten, Ur-Berlinern, Zugezogenen und Gästen aus aller Welt. Eberhard Klöppel hat das Leben zwischen Kulturbrauerei und Mauerpark in den letzten drei Jahren mit der Kamera porträtiert – entstanden ist eine Liebeserklärung an die moderne Großstadt.

Eberhard Klöppel:

Berlin – Ecke Schönhauser

Alltag in der Großstadt

Mit einem Vorwort von Mathias Bertram

Leipzig: Lehmstedt, 2012. (Info)

 

 

 

Fritz Eschen:

Berlin unterm Notdach.

Fotografien 1945–1955.

Herausgegeben von Mathias Bertram

und Jens Bove im Auftrag der Deutschen Fotothek.

Leipzig: Lehmstedt, 2010. (Info)

 

Fritz Eschen, der in der Weimarer Republik als Pressefotograf begonnen hatte, als Jude aber ab 1938 nicht einmal mehr einen Fotoapparat besitzen durfte, überlebte die NS-Zeit nur knapp. Sofort nach der Befreiung im Mai 1945 griff Eschen wieder zur Kamera und dokumentierte in beklemmenden Bildern seine zerstörte Heimatstadt Berlin und das Elend der Überlebenden. Vor allem aber widmete er sich dem allmählichen Erwachen des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens, den Lebensverhältnissen der einfachen Leute und dem Beginn des Wiederaufbaus. In einem großen Bogen, der von den rauchversengten Häuserruinen des Mai 1945 bis zu den ersten Zeugnissen des Wirtschaftswunders in den fünfziger Jahren  reicht, erzählen Eschens Bilder die Geschichte einer Stadt, deren Überlebenswillen durch nichts zu brechen war.

Fritz Eschen:

Köpfe des Jahrhunderts.

Fotografien 1932–1964.

Herausgegeben von Mathias Bertram

und Jens Bove im Auftrag der Deutschen Fotothek.

Leipzig: Lehmstedt, 2011. (Info)

 

 

Fritz Eschen gehörte zu den bedeutendsten deutschen Porträtfotografien der dreißiger bis fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Seine Fotografien versuchen den Porträtierten nahe zu kommen und verdanken sich meist längeren, intensiven Begegnungen. Im Laufe von drei Jahrzehnten porträtierte er knapp 1000 Persönlichkeiten – Politiker und Naturwissenschaftler, Schriftsteller und Historiker, Maler und Musiker, Schauspieler und Opernsänger, Unternehmer und Architekten. Aus dem umfangreichen Nachlass, der in der Deutschen Fotothek Dresden aufbewahrt wird, haben die Herausgeber eine repräsentative Auswahl getroffen. Mehr als 50 Jahre nach der ersten und einzigen Buchpublikation von Eschens »Köpfen« machte der Band das zu Unrecht in Vergessenheit geratene Porträtwerk des Berliner Fotografen erstmals wieder zugänglich.

Bernd Heyden:

Berlin – Ecke Prenzlauer

Fotografien 1966–1980

Herausgegeben von Mathias Bertram

in Zusammenarbeit mit dem Bildarchiv

Preußischer Kulturbesitz

Leipzig: Lehmstedt, 2008. (Info)

 

Der frühverstorbene Berliner Fotograf Bernd Heyden (1940-1984) hatte ein sicheres Gespür für die heiteren, poetischen und melancholischen Mo­­mente des Alltags. In intensiven, klar komponierten Bildern hielt er vor allem das Leben der kleinen Leute im Prenz­lauer Berg fest, in dem er selbst von Kindheit an gelebt hatte. Schornsteinfeger, Straßenkehrer, Kohlenhändler, Leichenträger, Fleischer, Pudelzüchter, Lum­pensammler und Stehgeiger gehörten ebenso zu den von ihm Fotografierten wie die Alten, Gebrechlichen und Gestrandeten, die hier lebten, und wie die lustigen, die trau­rigen und die frechen Kinder, für die das verfallende Mietskasernenviertel ein riesiger Abenteuerspielplatz war. Der aufwendig gedruckte Bildband zeigte erstmals einen repräsentativen Querschnitt durch das weithin unbekannte Werk Heydens.

Bernd Heyden:

Auf der Rennbahn. Fotografien 1966-1972

Herausgegeben von Mathias Bertram

in Zusammenarbeit mit der Bildagentur bpk

Leipzig: Lehmstedt, 2009. (Info)

 

 

Roger Melis:

Am Rande der Zeit. Fotografien 1973–1989

Herausgegeben von von Mathias Bertram.

Leipzig: Lehmstedt, 2010. (Info)

 

 

Begonnen hat Bernd Heyden sein außer­gewöhn­liches fotografisches Werk mit Aufnahmen von den Rennbahnen im Berliner Osten. Mit seiner Kamera fuhr er ab 1966 immer wieder zur Galopprennbahn nach Hoppegarten und zur Trabrennbahn nach Karlshorst, wo seine Prenzlauer Berger und die übrigen Ostberliner ihrer Wettleidenschaft frönten. Was er hier vorfand und in eindringliche Bilder bannte, war eine ungewohnt rauhe Welt der Glücks­jäger, Jockeys und Wettkönige, die noch in der Kultur der Vor- und Nachkriegszeit wurzelte und sich den Diktaten des Sozialismus zu entziehen schien. Nicht umsonst erinnern viele Bilder an Szenen aus amerikanischen Spielfilmen der vierziger Jahre.

 

Roger Melis hat fast zwei Jahrzehnte lang mit der Kamera das Leben in einem kleinen Dorf in der Uckermark begleitet. Er ­ver­-brachte ganze Tage bei den Arbeitern im Forst, beobachtete den Feldbaubrigadier bei der Arbeit, war zu Hochzeiten geladen, fotografierte Hausschlachtungen, Silvesterfeiern und Feuerwehrübungen. Auch die Landschaft und die sich im Rhythmus der Jahreszeiten wandelnde ­Natur fanden in ihm einen aufmerksamen Beobachter. Vor allem aber entstanden zahlreiche Porträts, die – heiter und ernst, selbstbewußt und voller Würde – vom einfachen, oft entbehrungsreichen Leben der Landleute zeugen. Die poetischen Fotografien lassen noch einmal eine archaische, nur am Rande von den Zeitläuften berührte Welt aufscheinen, die erst mit der Wende untergegangen ist.

 

Efraim Habermann, der mit seiner Familie dem nationalsozialistischen Terror nur knapp entkam, hat sich Berlin in den Jahren nach seiner Rückkehr mit der Kamera »zurückerobert«. Dabei war sein Blick auf die Stadt und ihre Menschen weder von Ressentiments noch von Sentimentalität geprägt. Ihn interessierte nicht das dokumentarische Abbild, sondern die ästhetische Komposition im Zusammenspiel von Stadt und Mensch. So entstanden Fotografien von großer formaler Strenge, Zurückhaltung und Stille. In seiner Arbeit gibt es keinen Zufall, alles ist arrangiert, zusammengehalten von einer durchdringenden Poesie. Kurz vor seinem 80. Geburtstag zieht ein Grandseigneur der Berliner Fotografie mit diesem Buch die Bilanz seines Schaffens.

Roger und Renate Rössing:

Leipziger Impressionen

Fotografien 1946–1989.

Im Auftrag der Deutschen Fotothek herausgegeben von Mathias Bertram

und Mark Lehmstedt

Leipzig: Lehmstedt, 2013. (Info)

Niemand hat Leipzig und die Leipziger so intensiv und über einen so langen Zeitraum hinweg mit der Kamera begleitet wie Roger und Renate Rössings. Dabei standen nie die »großen Ereignisse« im Mittelpunkt ihres Interesses. Sie fotografierten die Menschen in ihrem Alltag, auf den Straßen und Plätzen, in den Parks und an den Seen. So entstand eine Chronik dieser Stadt als Lebens­ort, ein poetisches Porträt ihrer Bewohner.Als im Frühjahr 2006 ihr Fotoband »Menschen in der Stadt« erschien, war er gleichsam ihr künstlerisches Testament der beiden. Nun liegt der seit Jahren vergriffene Band wieder vor – in einer erweiterten Neuausgabe, bereichert um viele neue wunderbare ­Fotografien aus dem Nachlass.

Efraim Habermann:

Berliner Stilleben.

Fotografien 1975–2000

Herausgegeben von Manfred Carpentier
und Mathias Bertram

Leipzig: Lehmstedt, 2011. (Info)